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André
Nocquet stammte aus der Region Bordeaux. Er begann in früher
Jugend mit dem Training im Ringen und Jiu Jutsu, und wurde als
Sportlehrer und Krankengymnast ausgebildet. 1937 wurde er in Paris
Judo-Schüler von Meister Mikinosuke Kawaishi, und damit einer
der Pioniere des Judo in Frankreich. Nach dem 2. Weltkrieg, in dem er
in der résistance kämpfte, half er beim Aufbau und der
Verbreitung des Judo in Frankreich, vor allem in der Region Bordeaux.
Im Jahr 1951 lernte er durch Meister Minoru Mochizuki, der eine Zeit
lang in Frankreich unterrichtete, das Aikido kennen. Ein Jahr später
kam Meister Tadashi Abe als Repräsentant des Aikido Hombu Dojo
nach Frankreich und Nocquet begann, bei ihm Aikido zu studieren.
Seine ersten Lehrer hatten alle direkt bei Judo-Gründer Jigoro
Kano, Aikido-Gründer Morihei Ueshiba, oder beiden studiert, und
somit hatte schon Nocquets erste Budo-Ausbildung feste Wurzeln im
frühen Judo und im harten Vorkriegs-Aikido.

Im
Jahr 1955, Nocquet hatte inzwischen den 1. Dan Aikido und den 4. Dan
Judo erworben, ging er auf Empfehlung von Meister Abe nach Japan, um
dort Aikido zu studieren, und sich in Shiatsu ausbilden zu lassen. Er
war von seiner Begegnung mit O-Sensei Morihei Ueshiba tief
beeindruckt und wurde von 1955 bis Ende 1957 dessen erster
nicht-japanischer Hausschüler ("uchideshi"). Nocquet
lebte während dieser Zeit in Japan im Haushalt der Familie
Ueshiba und nahm dort mit Anfang vierzig ein Ausbildungsprogramm auf
sich, das schon zwanzig Jahre jüngere Leute an ihre Grenzen
führte. Er half O-Sensei auch, das durch den Krieg beinahe in
Vergessenheit geratene Aikido in europäischen Kreisen in Japan
bekannt zumachen.

Nach
seiner Rückkehr nach Frankreich machte André Nocquet sich
die Verbreitung des Aikido im Geiste Morihei Ueshibas zu seiner
Lebensaufgabe. Er war Gründer verschiedener französischer
Aikido-Organisationen, Leitfigur und Patron von Aikido-Verbänden
in ganz Europa, und erreichte mit seinem Aikido auf diesem Wege
zeitweise mehrere tausend Menschen. Als Autor zweier Bücher über
Aikido betonte Nocquet sehr stark das spirituelle Potential dieser
Kunst (Titel: "O-Sensei Morihei Ueshiba - présence et
message" und "Le coeur épée"). Er trug
maßgeblich dazu bei, dass in Frankreich heute mehr Menschen
Aikido studieren als in Japan, und wurde für seine Verdienste um
das Aikido als Ritter des Verdienstordens des französischen
Staates ausgezeichnet.

In
seinem eigenen Ausdruck von Aikido legte Meister Nocquet großen
Wert auf runde Ausführung von Techniken, harte Würfe und
effektive Hebel. In der Aikido Grundausbildung bevorzugte er
Körpertechniken und Messer gegenüber traditionellen
Waffentechniken. Aikido blieb für ihn hauptsächlich eine
kämpferische Disziplin, deren spirituelle Aspekte nur durch
hartes, ständiges Training auf der Matte zu erschließen
waren.
Als
Meister Nocquet auf seinem letzten großen Lehrgang in Blois
1997 seinem langjährigen Schüler John Emmerson erlaubte, in
Zukunft in seinem Namen unter dem Leitmotiv "Dynamic Aikido
Nocquet" zu lehren, tat er es mit dem Hinweis, keinen Verband
mit diesen Namens zu gründen, sondern eine familiäre
Gemeinschaft von Aikidoka zu versammeln. Aikido in der Tradition von
André Nocquet lehren heute auch seine langjährigen engen
Schüler Meister Claude Cebille, Meister Hervé Dizien,
Meister Claude Gentil, Jean-Pierre Fillault, Jean-Pierre Datigny,
Klaus-Dieter Chudziak und Pascal Heydacker.
André
Nocquet starb im 12. März 1999 und wurde auf dem Friedhof
Prahecq beerdigt.

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